Tag 4 Benares Music Academy

Meine Glieder knacken beim Sonnengebet. Es tut gut zu spüren wie durch tieferes Atem der Puls in Bewegung gerät. Ich schreibe in meinen „Varanasi-Blog“. Auch wenn ich kein „Schriftsteller“ bin, noch Ambitionen dazu hege, tut es gut, das wilde, pulsierende dieser Stadt in Worte fassen zu können.

Wir haben heute ein Rendevous an der Benares Music-Academy. Auf dem Weg durchqueren wir eine bunt, belebte Einkaufsstrasse. Ich bin mit Joris im Gespräch, als ein älterer Mann der vor einem Allerlei-Laden sitzt, Joris zuruft und sogleich im Inneren verschwindet, den Inhaber zu rufen. Der junge Ladenbesitzer kommt strahlend auf Joris zu und meint: "Ich hab gewusst, dich wieder zu sehen". Die beiden begrüssen sich wie alte Freunde. Joris war vor einem Jahr oft mit ihm vor seinem Laden am Philosophieren.

DeobrathDeobrat Mishra persöhnlich heisst uns willkommen. In seinem Office sind wir gleich in regem Gespräch über Musik, Europa, Tournee und über gute Sitars. Plötzlich sagt er zu mir: "I have a gift for you", holt seine Sitar und beginnt zu spielen. Zuerst ein mir sehr bekanntes Sitarstück, das ich in meiner Musiksammlung in mehreren Versionen habe. Es beginnt weich und gemächlich, entwickelt sich zu rhytmischen Triller- und Pitch-Passagen. Dann wird es rhytmischer, rockiger, bis ganz klar und deutlich die Melodie hervortritt. Es hat sich übergangslos gewandelt zu: "While My Guitar Gently Weeps". WoW! Eine wunderbare Demonstration eines Sitar-Meisters und das in enspannter Atmosphäre bei einem Chai. Ich glaubte fast zu träumen,  ich bin direkt etwas nevös, wenn ich daran zurückdenke.

Deobrath Joris

Joris hält zum ersten Mal seine neue Sitar in Händen. Ein Prachtstück, Deobrat nennt es: a good healing Sitar".