Tag 2 Ganga

Der erste Blick auf den Ganges und die Treppenstufen in Varanasi habe ich tatsächlich überwältigend empfunden. Da muss ich jedem Touristenführer recht geben. Im Detail betrachtet, waren es aber viele kleine, in einem Touristenführer nicht erwähnte Dinge, die uns faszinierten. Die farb- und formprächtigen Fassaden die im leichten Dunst der Stadt sich schier endlos ans Ufer schmiegen, könnten aus einem Fantasy-Film einer Elfenstadt entsprungen sein. Wenn ich an die Schilderungen Perry Rhodans denke, wenn er sich unverhofft in fremder Galaxis wiederfindet, werden einzig durch das Auftreten all dieser klassischen Terraner entlarvt.

Ganga 2 web

„Gats“ werden die Treppen genannt, die vom Stadtrand hinunter zum tiefer liegenden Ufer des Ganges führen. Sie sind miteinander verbunden, so können wir dem „Ganga“ entlang ein wichtiges Stück Indien erleben.

Ganga 3 web

Götter und Göttinnen prägen das Bild. Siddharhtas Yogacenter, Gangas Seidenfabrik oder Shivas Herberge dürfte sich auf fast jedem Foto der "Gats" in Varanasi finden. Am Bellevue in Zürich sähen wir Werbebotschaften wie „Marias Herberge“, Bruder Klaus Schokoladenmanufaktur“ oder „Jesus Fitnesscenter“ auf einen Blick. Einzig wären die Plakate nicht handgemalt, sondern gedruckt.

typo 1 web

 Alle diese Plakate sind handgemalt. Teils wurden sie manierlich sauber übereinander gepinselt, als wären sie im Vorbeigehen aufgeklebt.

krishna 1 web

Dieses Bild war mein erster „Shot“, es ist kein gestelltes Bild, es war einfach da. Hätte ich das Ruder rechts beachtet, wäre es ganz mit im Bild. Im Königsgrab von „TutEnchAmun“ waren vier solcher Ruder um den goldenen Sarkophag herum angeordnet. Eines für jede Himmelsrichtung, die als kleine Hieroglyphe jeweils unter dem Griff eingeritzt wurde. Die Ruder dienen dazu, die Nachtbarke des Gottes Thot durch das dunkle Zwischenreich des Todes zu steuern. Auf dem Bild nicht sichtbar, die Treppenstufen mit den brennenden Leichnamen, deren Asche dem Ganges übergeben wird. Dies zu Fotographieren geziemt sich nicht. Hätte ich dieses Foto als Bild gemalt, wäre die dunkle rechte Seite noch etwas deutlicher markiert. So malt das Schicksal Bilder.


Bemerkenswerte Begegnungen:

- Ein Sadhu, dessen Name ich auch nach mehrmaliger Frage nicht zuordnen konnte. Er kam mit einem bestechenden Lächeln auf uns zu. Als wir Blickkontakt aufnahmen, führte er eine segnende Geste aus. So kamen wir ins Gespräch. Sein klarer Blick, seine herzliche Art und Ausstrahlung wird mir in Erinnerung bleiben. Die kurze Begegnung hinterlies bei mir ein Gefühl von Geborgenheit, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu verweilen.