Tag 13 Mit dem Boot auf dem Ganges

Am frühen Morgen gegen 5:00 machen wir uns auf den Weg zu „unserem“ Tuck-Tuck-Fahrer, der uns durch die fast leeren Strassen fährt. Wir besteigen ein Boot und lassen uns ganz gemütlich den "Gats", den Treppen zum Ganges entlang rudern. Die gesamte Szenerie mit ihren Düften, Klängen und Stimmungen ist einzigartig, da lasse ich gerne die Bilder sprechen.

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Bereits vor Sonnenaufgang funkelte die Stadt am Ganges. Was mochte der kommende Tag wohl bringen?

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Die weite Sandbank, dahinter Wald. Wenn es regnet während des Monsuns, steigt das Wasser über die Sandbank, dann mag sich der Ganges an dieser Stelle wohl viermal so breit dem Meer zu wälzen.

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Jeden Morgen werden entlang dem Ganges dutzende von Ritualen abgehalten. Es heisst nur darum lebe der Fluss noch. Auch wenn ihm zunehmende Verwendung von Putzmitteln und anorganischen Stoffen, Pharmzeutika, das mit dem Urin ausgeschieden wird mehr zusetzt, als die organischen Stoffe all der Leichenverbrennungen und Abwasser, bleibt er die Lebensader Nordindiens. "Ganga" ist seit 4000 Jahren die Trägerin der Kultur. Aus ihren Sümpfen sind drei Weltreligionen gewachsen. Hindus, Buddhisten und Parsen sehen den Fluss noch heute als Uhrheimat. Christus zog als junger Mann nach Indien, die Moslems eroberten grosse Teile der Länder der Maharadschas und wurden lange in die gesamte indische Kultur integriert. Zumindest bis zum grossen Bruch 1947, als eine moslemische Minderheit einen Gottesstaat errichten wollte und die Abspaltung Pakistans erzwang.

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Leah und Joris waren während der Fahrt in angeregte philosophische und spirituelle Gespräche versunken.

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Ein Kranz aus Ringelblumen, Überbleibsel einer Zeremonie, treibt mitsamt den ihm aufgetragenen guten Wünschen Richtung Meer.

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Vom Schiff aus, wird es sichtbar, dem Ganges entlang gibt es tausende von Tempeln allein in Varanasi.

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Auch nach zwei Wochen, erscheint mir diese Stadt wie aus einer fantastischen Erzählung.

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Wir putzten unsere Zähne mit Mineralwasser aus der Flasche. Ob ein Bad und ein Schluck "Gangjal" (Einen Schluck heiliges Wasser des Ganga) nun wirklich das Leben verlängert, kann ich nicht beantworten.

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Nach der Bootsfahrt schlenderten Joris und ich durch die bunten Marktgassen. beim "Chai" fühlten wir uns wie Zuhause. Der Kocher für den Tee, wurde mit Kohle und einem ausgedienten Ventilator eines Computer-Netzgeräts betrieben. Durch die Hitze schon ganz angeschmort und kurz vor dem Kollaps. Ausgediente Computer gäbe es genügend, so lange gäbe es auch feinen Chai, meinte der Verkäufer.

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Dieses Bild scheint mir voller abgründiger Metaphern. Der Hund legt sich im Schatten auf dem kühlen Stein um einen Lingam auf diesem kleinen Altar auf dem Vishnu geopfert wird. Blumen werden mit guten Wünsche umgehängt. Daneben ein ganz profaner Briefkasten. Auch er ein Gefäss, dass wohl hauptsächlich der Aufnahme guter Wünsche und Nachrichten dient. 3000 Jahre mögen die Technik von Lingam und Briefkasten trennen, im Grunde dienen beide dem selben Zweck. Ein besonderer Gruss an Rahel, Leah meinte der Hund würde ihr gefallen :)

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Die Kühe und Wasserbüffel beherrschen die Strassen, die Hunde die Gassen, die Affen hingegen die Dächer Varanasis.

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Wir assen den "Lunch" im "Guesthouse" von Joris. Wieder ein familiäres Ambiente in einem farbigen und liebevoll eingerichteten Haus. Es hat an allen Ecken und Nischen kleine Schätze, in Form von bunt bemalten Götterstatuetten, Bildern und Möbeln.

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Nach dem Essen fanden wir eine Bar mit "richtigem" italienischen Espresso und schmackhaften Pfannkuchen mit Apfel und Zimt, da konnten wir nicht wiederstehen. Nach dem dritten Koffeinschub "erfand" Joris "das schnelle Bild". In Kung-Fu-Manier sprang er durchs Restaurant, mit kleiner Blende, langer Belichtungszeit, die Kamera am Motiv vorbei flitzend, knallte er im gewünschten Moment noch einen Blitz auf seine Sujets. Die Ergebnisse gefallen mir, wenn ich auch den Energieaufwand für ein einzelnes Bild in der Hitze Varanasis etwas hoch finde.

Es war dann bald die Zeit, Abschied zu nehmen. Joris wird noch zwei Wochen länger in Indien verweilen, bevor er für kurze Zeit in die Schweiz zurückkehrt und dann nach Kalifornien fliegt. Wir hatten eine starke, intensive Zeit hier. Ich würde sie nicht hergeben.