Tag 11 Musizieren

Wir sind jetzt schon bald wie "Kenner der Varanasi-Szene" unterwegs. Auf dem Weg zur "Music-Academy" noch einige Früchte, Wasser und Geld aus dem Automaten, können wir mit unseren Instrumenten, sogleich etwas üben und spielen. Gegen Mittag kommt die ganze Familie von Deobrat. Seine Frau Raini, Tochter Devijani und Sohn Krishna. Wir werden mit Aufwand bekocht. Es ist ein Genuss, auch die Geborgenheit mit der Familie ist ein Vergnügen.

Selbst für diese aufgeschlossene Familie ist es nicht von Anfang an klar, dass Raini sich zum Essen an unseren Tisch setzt. Sie tat es mit einem Lächeln, aber erst als wir sie dazu ermunterten. Wir geniessen das super gekochte vegetarische Menu.

altar deobrat web

Der kleine Altar in Deobrats „Office“ der Music.Academy soll das Startbild der Website werden.

Mit Deobrat bespreche ich die neue Website. Seine Domain (deobratmishra.com) läuft bei einem indischen Provider. Leider scheint er durch eine sehr komplizierte Person zu sein, gemäss der Aussage von Deobrat ist es jemand der extrem viel plaudert, viel verspricht, aber wenig bringt. Vielleicht auch eine Sache von Erwartungen und Kosten, aber das möchte ich nicht beurteilen. Nach kurzer Sichtung, finde ich eine Baustelle vor. Gerne baue ich für Deobrat eine neue Seite, ich wurde von ihm und seiner Familie so reich beschenkt, dass ich mich darauf freue, etwas zurückgeben zu können. Er möchte die Website in Europa gehostet haben. Er erwartet wenige BesucherInnen aus Indien, die meisten sind aus Europa und den USA.

Die neue Website: http://deobratmishra.com

joris leah aufnahme web

Im untersten Stock der Musikschule, hat es einen grossen Raum für Konzerte. Leider ist Wasser durch den Boden gedrungen, der unbedingt noch vor dem Monsun im Juli/August repariert werden muss. Daher ist der Raum jetzt fast ganz leer, was ein fantastisches Echo ergibt. Leah, Joris und ich nutzen das für eine Session. Noch selten hatten wir mit solcher Energie zusammen gespielt.

Deobrat erzählte mir, dass in Indien immer seltener klassische indische Musik geliebt und gehört wird . Die grosse Masse junger InderInnen hören sich „Bolywood-Sounds“ und westlichen Pop an. Das passt zu Aussagen über viele Veränderungen der Lebensweise. Ein extremer Zuwachs an „Tuck-Tuck-Taxis“, Rollern und schweren Motorrädern führen die Stadt Varanasi in ein unglaubliches Verkerschaos. Auf unserem Weg ins Hotel, wurde uns das lautstark bestätigt.

verkehr

 

Das mit dem Smartphone aufgezeichnete Verkehrschaos war keine aussergewöhnliche Situation. Der Verkehr lässt sich für Varanasi-Verhältnisse als eher ruhig und fliessend bezeichnen. Die TeilnehmerInnen nehmen alle ganz gelassen daran Teil. Auf grossen Kreuzungen habe ich beobachtet, dass weder Fussgänger, noch Rikschafahrer oder Motorisierte anhalten mussten. Zentimeterknapp fliesst der Reissverschluss-Verkehr unter fortwährendem Gehupe ineinander. Die Leute sind nicht aggressiv, sie essen auch kein Fleisch, trinken keinen Akohol und viele verrichten täglich Gebete und rituelle Handlungen, Meditation ist ihnen nicht fremd. Anders kann ich mir so ein Leben im geordneten Chaos von Varanasi nicht vorstellen.