Tag 1 Hotel Buddha

Was kurz nach der Ankunft einen starken Eindruck hinterliess, war vor allem der Verkehr und die Menge an Menschen und Tieren die die Strassen überschwemmen. Nach unserer Taxifahrt zum Hotel, war ich schon etwas geschockt. Nach sicher zehn Beinahekollisionen, brühender Mittagshitze, dringt neben Motorenlärm schreienden Händlern und fortwährendem Gehupe, eine Duftwolke nach der anderen durch das geöffnete Autofenster. In kurzen Intervallen bekam ich Rauchstäbli, Essenstände, Kuhstall, Autoabgase und „WeissNichtWas“ in die Nase. Ich wusste nicht, dass auch olfaktorische Wahrnehmungen so schnell wechseln können wie die Farben, die wie in einem Music-Clip alternierend wechseln.

Vor lauter Hitze und Müdigkeit konnte ich das gelassen hinnehmen. Leah und ich hatten dafür ein mildes Lächeln übrig. Selbst ein vertauschter Rucksack, bracht uns nur kurz aus der Ruhe. Wir mussten nochmals zum Flughafen zurück, um das fremde Gepäckstück, gegen mein Eigenes zu tauschen. Immerhin waren Computer, Fotoapparat, Flug- und Hotelpapiere drin. Eigenartig empfand ich, der Flughafenpolizist übergab mir meinen Rucksack und ich musste prüfen, dass daraus nichts „gestohlen“ wurde. Mit denselben Worten, den Inhalt zu prüfen, übergab ich nun den verwechselten Rucksack an den jungen Inder. Der wurde aber sogleich angehalten, sich zu entfernen mit dem eigenen Rucksack, so konnte ich mich kaum bedanken für die Aufmerksamkeit aller Beteiligten.

Nach dieser geballten Ladung an fremden Eindrücken, waren Leah und ich froh, im Schutze „Hotelinterner Zivilisation“ zu duschen, essen, liegen und die „verlorene“ Nacht mit Schlaf auszugleichen.

Buddha Wandbild web

Im Aufgang begrüsste uns ein Wandbild, es erinnerte mich an die Wände, die ich in den 80er Jahren bemalte. Einem Raum mit einem Bild eine ganz bestimmte Ausstrahlung zu geben. Schon fast etwas "Heimeliges". Die grossen gemalten Kinoplakate, die ich damals in Zürich haufenweise anfertigte, sind in Indien ein nach wie vor ausgeübtes Handwerk. In Zürich starb es, als ich mit Fr. 100.- pro Tag, keine Möglichkeit sah, mit dem halben Verdienst noch meine Vaterschaftspflichten erfüllen zu können. Das Baby "Nisa" setzte unter die zürcherische Kinoplakat-Kultur einen jähen Schlusspunkt. (Leider malte ich damals keine Buddhas, die Köpfe von Roger Moore, Clint Eastwood, Nastasja Kinski, selbst HR Gigers Raumschiff aus Alien, hatten rein kommerziellen Charakter. Es scheint, dass sich rein monetäre Ideen von selbst erledigen.)


Bemerkenswerte Begegnungen:

- Der Taxifahrer, er behielt immer vollständige Ruhe, kontrollierte seine Fahrweise, während er mit Handy komplexe Verhandlungen betreiben musste, um die richtigen Gepäckstücke wieder an die richtigen Besitzer zu bringen. Vor der Abfahrt betete er kurz vor seinem „Autoaltar“, auf dem ich den blauen Krishna und den elephantenköpfigen Ganesha erkannte, alles farbig auf einer „Fünfliebergrossen“ Plakette umgeben von einem blumenbestickten Überwurf, als handelte es sich um ein Modell eines indischen, blumengeschmückten Krönungsmantels.